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„Remigration“: Was hinter dem Wort steckt

Ein harmloses Fremdwort für eine sehr konkrete Idee

19. September 20265 Minuten Lesezeit

Das Wort klingt nach Verwaltung und Statistik. Gemeint ist etwas anderes. Warum Sprachkritik hier keine Wortklauberei ist.

Wie das Wort wirkt

„Remigration“ klingt nach Behörde, nach einem Fachbegriff aus der Wissenschaft. Genau das ist der Zweck. Ein Wort, das nach Verwaltung klingt, löst weniger aus als eine Beschreibung dessen, was gemeint ist.

In der Wissenschaft bezeichnet Remigration tatsächlich etwas Neutrales: dass Menschen freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehren. Die Neue Rechte hat den Begriff übernommen und ihm eine andere Bedeutung gegeben.

Was damit gemeint ist

Gemeint ist die Vorstellung, dass Millionen Menschen Deutschland verlassen sollen. Ausdrücklich nicht nur Menschen ohne Aufenthaltsrecht, sondern auch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, wenn sie eine Einwanderungsgeschichte haben und als „nicht assimiliert“ gelten.

Das ist der entscheidende Punkt, und er geht in der Debatte oft unter: Es geht nicht um Abschiebungen nach geltendem Recht. Es geht um Menschen mit deutschem Pass. Menschen, die hier geboren sind. Vielleicht um Leute aus deiner Klasse.

Bekannt wurde das Konzept einer breiten Öffentlichkeit im Januar 2024, als das Recherchezentrum Correctiv über ein Treffen bei Potsdam berichtete, bei dem genau darüber gesprochen worden sein soll.

Warum das Wort selbst wichtig ist

Sprache legt fest, worüber wir wie nachdenken können. Wer sagt „Remigration“, spricht über Logistik. Wer sagt, was gemeint ist, spricht über Menschen, die ihre Heimat verlassen sollen.

Die Jury der „Unwort des Jahres“ wählte Remigration zum Unwort des Jahres 2023 und begründete das genau damit: Der Begriff beschönige Vertreibung.

Woran du dieses Muster generell erkennst

Remigration ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Achte auf Wörter, die technisch klingen und Menschen meinen:

  • Ein Fremdwort oder eine Abkürzung ersetzt eine klare Beschreibung.
  • Menschen tauchen als Zahlen, Ströme oder Massen auf, nicht als Personen.
  • Der Begriff klingt nach Ordnung, Verwaltung oder Natur, nicht nach Gewalt.
  • Wer nachfragt, gilt als überempfindlich oder als jemand, der „Wörter verbietet“.

Ein fairer Hinweis

Sich für weniger Zuwanderung auszusprechen ist eine politische Position, über die man streiten kann und in einer Demokratie auch streiten muss. Das ist nicht dasselbe wie die Forderung, Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nach ihrer Herkunft aus dem Land zu bringen.

Der Unterschied liegt genau da: Geht es um Regeln, die für alle gelten? Oder werden Menschen nach Abstammung sortiert? Die zweite Variante widerspricht Artikel 3 des Grundgesetzes, der festlegt, dass niemand wegen seiner Abstammung, Herkunft oder Sprache benachteiligt werden darf.

  • Sprache
  • Neue Rechte
  • Remigration

Quellen und mehr dazu

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