Leute finden, die das genauso sehen
Gegen das Gefühl, allein damit zu sein
20. September 20266 Minuten Lesezeit
Das Schlimmste an rechten Sprüchen in der Klasse ist oft nicht der Spruch, sondern das Gefühl, der Einzige zu sein, den das stört. Bist du nicht.
Warum das der wichtigste Schritt ist
Wer allein widerspricht, hält das selten lange durch. Wer zu zweit widerspricht, verändert sofort die Lage im Raum: Plötzlich ist es keine Einzelmeinung mehr, sondern eine von mehreren.
Deshalb ist Leute finden nicht das nette Extra nach der Aufklärung, sondern der eigentliche Punkt.
In der Schule
Die Schülervertretung ist die naheliegendste Adresse und wird meistens unterschätzt. Sie kann Projekttage anstoßen, Externe einladen und bei der Schulleitung anders auftreten als du allein.
„Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ ist ein bundesweites Netzwerk. Für den Titel müssen mindestens 70 Prozent aller an einer Schule unterschreiben, dass sie sich gegen Diskriminierung einsetzen. Der Weg dahin ist dabei wichtiger als das Schild: Ihr müsst mit allen reden.
Eine AG oder Gruppe gründen geht einfacher, als die meisten denken. Du brauchst eine Lehrkraft, die das mitträgt, einen Raum und drei Leute.
Außerhalb der Schule
- Jugendverbände: Fast alle großen Verbände haben Gruppen vor Ort und arbeiten zu dem Thema.
- Queere Jugendgruppen: Wenn du selbst queer bist, sind das oft die Orte, an denen du beides zusammen besprechen kannst.
- Sportvereine und Fanprojekte: In vielen Fanszenen gibt es aktive antirassistische Gruppen.
- Lokale Bündnisse: In fast jeder Stadt gibt es ein Bündnis gegen Rechts. Such nach „Bündnis“ plus dem Namen deiner Stadt.
- Jugendzentren und Jugendringe: Die wissen, was vor Ort läuft, auch wenn sie selbst nichts anbieten.
Online, aber mit Vorsicht
Online findest du schnell Leute, aber auch schnell Ärger. Ein paar Regeln, die dir viel ersparen:
- Kein Klarname, kein Schulname, kein Wohnort in öffentlichen Gruppen. Rechte Gruppen sammeln gezielt solche Angaben.
- Profilbilder verraten mehr, als du denkst. Hausnummern, Trikots, Bahnhofsschilder im Hintergrund.
- Prüf, wer die Gruppe betreibt, bevor du etwas von dir erzählst.
- Screenshots wandern. Geh davon aus, dass alles, was du schreibst, irgendwann außerhalb der Gruppe landet.
Wenn du selbst etwas startest
- Fang klein an. Drei verlässliche Leute sind mehr wert als eine Gruppe mit dreißig Karteileichen.
- Sucht euch eine erwachsene Person, die hinter euch steht. Das schützt euch, wenn es Gegenwind gibt.
- Klärt vorher, wie ihr mit Angriffen umgeht. Wer redet mit der Schulleitung? Wer dokumentiert? Das im Ruhezustand zu klären ist viel leichter als mittendrin.
- Holt euch Unterstützung von außen. Mobile Beratungsstellen kommen kostenlos an Schulen und haben das schon hundertmal gemacht.
Was du dir nicht aufladen musst
Du musst nicht die Person werden, die in deiner Schule für dieses Thema zuständig ist. Das ist eine große Last, besonders wenn du selbst betroffen bist.
Es reicht, nicht allein zu sein.
- Vernetzung
- Schule
- Engagement
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